Dr. Andreas Kraushaar, FOGRA

Color People Interview

Dr. Andreas Kraushaar, FOGRA

Dr. Andreas Kraushaar

Dr. Andreas Kraushaar (39) ist Leiter der Abteilung Druckvorstufentechnik bei der Forschungsgesellschaft Druck e.V. (FOGRA). Die FOGRA ist eine gemeinnützige Institution mit Sitz in München, die sich vor allem der Standardisierung und Qualität in Druckprozessen widmet. Neben dem “Prozesstandard Offset” (PSO) sind die FOGRA-ICC-Profile in Druckereien bekannt. Aktuell ist z.B. “FOGRA39”, mit dem Farbe sinnvoll in CMYK für den Offsetdruck auf gestrichenen Papieren gewandelt werden kann.

Dr. Kraushaar ist nach seinem Medientechnik-Studium an der TU Ilmenau in die FOGRA eingetreten. Dort hat er parallel sein Promotion an der RWTH Aachen abgeschlossen. Zahlreiche praktische und wissenschaftliche Veröffentlichungen stammen von ihm, und er ist maßgeblich an der Umsetzung des Prozessstandards Digitaldruck (PSD) beteiligt. Er bekleidet bereits in jungen Jahren eine einflussreiche Position im Bereich Farbe – und dies mit größtem Enthusiasmus.

Kraushaar stammt aus dem Eichsfeld und lebt jetzt in München.

Fragen an Andreas Kraushaar

Herr Kraushaar, welches ist Ihre Lieblingsfarbe und was verbinden Sie damit?

Das ist bei mir ziemlich profan. Meine Lieblingsfarbe ist Grün. Ich habe mein erstes Auto Kawasakigrün-Metallic lackieren lassen. Heute schäme ich mich fast dafür, aber es war die Zeit, ich fand es sehr attraktiv und finde es immer noch sehr schön. Wenn ich mir heute zum Beispiel Spielsteine aussuchen darf, wähle ich Grün. Dies ist ja auch die Farbe der Hoffnung – ich war früher Messdiener und habe die grünen Messkleider sehr gern getragen.

Wie gelangten Sie zum Thema Farbe?

Ich habe in Ilmenau Medientechnik studiert und kam durch Zufall zur Lichttechnik. Dort habe ich Professor Dietrich Gall und dessen Vorlesungen kennen gelernt. Was mich fasziniert hat, ist, dass er als Farbfehlsichtiger einen ganz besonderen Zugang zu Farbe hatte. Er war zum einen fasziniert von Farbe, wollte aber auch die Urteile der andere verstehen und wissenschaftlich falsifizieren. Er versuchte also unsere Aussagen geschickt zu hinterfragen und uns vor Hürden zu setzen. Das fand ich sehr spannend und interessant. Professor Gall hat auch das wissenschaftliche und das harmonische Wesen der Farbe sehr schön voneinander getrennt. Professor Gall, der heute im Ruhestand, aber immer noch sehr aktiv ist, ist der Grund dafür, dass ich mich heute so intensiv mit Farbe beschäftige.

Was ist heute Ihre Aufgabe betreffs Farbe?

Im Bereich der Forschungsarbeit der Druckvorstufe der FOGRA habe ich eine gewisse Gestaltungsfreiheit. Das ist ein weiterer Grund, weshalb ich mich dort sehr wohl fühle. Ich arbeite nicht nur feste Programme ab, sondern kann eigene Schwerpunkte setzen und selbst entscheiden, wohin die Reise geht. Es ist meine Aufgabe, den praktischen Umgang mit Farbe im Druck sehr gut zu beherrschen, damit wir in Seminaren, Prüfungen und Symposien den Spagat zur praktischen Nutzung treffen. Wir müssen auf der einen Seite die Programme gut kennen, damit wir wissen, wie man es es gut umsetzt, und es auf der anderen Seite die Vorgehensweisen gut kommunizieren. Es ist meine Hauptaufgabe, die praktischen Herausforderungen im Bereich ColorManagement, Bildschirmmessung, Modellierung zu beherrschen und in einfachen Worten für die Zielgruppe aufzubereiten.

Wohin geht die Reise?

Bei der Bildqualität ist Farbe nach wie vor ein sehr wichtiger Aspekt. Farbe im 3D Druck wird ebenfalls ein wichtiges Thema. Bei Farbe und Appearance kommen zur Farbe selbst weitere Aspekte hinzu wie die Textur, der Glanz, die Oberflächenbeschaffenheit und der Blickwinkel.

Die FOGRA

Woran arbeiten Sie momentan?

Aktuell arbeite ich am Thema Farbe von Zähnen. Das ist nicht nur sehr spannend, sondern auch das demütigste Thema, das ich bisher erlebt habe, denn dort hat man neben der Reflexion die Herausforderungen Opaleszenz, Transparenz, Transluzenz, Fluoreszenz. Es ist die Königsdisziplin, ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickeln wird.

Das Thema Farbe ist immer spannend und herausfordernd, auch wenn ich mich “nur” auf den Bereich der Farbmetrik, Farberscheinung, Farbdifferenzen konzentriere.

Was fasziniert Sie am Thema?

Es ist die Interdisziplinarität. Wir haben so viele Zugänge und so viele Ansätze zur Farbe! Farbharmonie, Augenkunde, Farbphysiologie, Farbphysik,.. Man kann als Ingenieur, Physiker, Designer, als Biologe oder Psychologe mit Farbe arbeiten. Mich fasziniert immer wieder die Schönheit der Farbe, und der gleichzeitige technische Blick: wie kann ich die Farbe in der einen oder anderen Weise möglichst exakt reproduzieren, wie metamer ist es?

Vielen Dank für dieses Interview, Herr Dr. Kraushaar.


Die Fragen stellte Holger Everding.

Weitere Informationen

…finden Sie unter http://www.fogra.de.